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Abkommen kann Kfz-Branche Rückhalt bieten
Deutsche Produzenten könnten zuletzt verloren gegangene Marktanteile zum Teil zurückerobern. Doch die chinesische Konkurrenz bleibt stark.
23.10.2026
Deutschland zählt zu Brasiliens wichtigsten Lieferländern für Kfz und -Teile. Im Jahr 2025 lag die Bundesrepublik auf Rang 4, nach China, Argentinien und Mexiko. Die Importe bezifferten sich auf knapp 1,5 Milliarden US-Dollar (US$). Stark ist Deutschland vor allem bei Pkw mit Verbrennungsmotor sowie bei verschiedenen Kfz-Teilen, darunter bei Getrieben und Getriebeteilen sowie bei Achsen und Schaltkupplungen.
Der Marktanteil Deutschlands entwickelte sich in den vergangenen Jahren aber rückläufig. Von 2020 bis 2025 sank er von 7,8 auf 6,2 Prozent, während vor allem China seinen Anteil deutlich ausbauen konnte. Der Wettbewerb mit chinesischen Newcomern hat sich rasant verschärft. Während Deutschland seine Position bei Pkw mit Verbrennungsmotor und Kfz-Teilen wie Getriebeteilen von 2020 bis 2025 weitgehend halten oder sogar ausbauen konnte, ging der Marktanteil bei den meisten anderen Produkten zurück.
Chancenradar zeigt: 53 Produkte profitieren besonders
Brasilien ist der sechstgrößte Automarkt der Welt. Im Jahr 2025 wurden 2,7 Millionen Neufahrzeuge in dem Land verkauft. Allerdings bestehen bislang hohe Handelshürden. Durch das EU-Mercosur-Abkommen erhalten europäische Hersteller Zoll- und andere Handelsvorteile. Allerdings erfolgt der Zollabbau bei den meisten Produkten über einen längeren Zeitraum.
Das zum 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Interimshandelsabkommen (iTA) umfasst insgesamt 127 Waren der für Kfz relevanten NCM-Warengruppe 87. Das Chancenradar von GTAI zeigt, dass insgesamt 53 Produkte besonders von dem EU-Mercosur-Abkommen profitieren, darunter sieben von einem hohen sofortigen Zollvorteil und 48 von einer Zollabbaugeschwindigkeit von mehr als 1,2 Prozentpunkten pro Jahr. Bei zwei Produkten sind beide Chancenkategorien gleichzeitig erfüllt.
Dies betrifft Kraftfahrzeuge, deren Importzoll von 35 Prozent schrittweise über 15 Jahre auf null gesenkt wird. Zwar setzt der Zollabbau bei neun Fahrzeugkategorien erst ab dem siebten Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens ein (Abbaustufe 15V), das heißt voraussichtlich ab 2033. Die verbindlich geregelten Zollsenkungen wirken sich jedoch Jahre im Voraus positiv aus: OEMs können neue Modelle frühzeitig auf die künftig sinkenden Kosten ausrichten und Investitionen langfristig planen.
Bei anderen besonders begünstigten Produkten handelt es sich um Kfz-Teile wie Lenksäulen und -getriebe, Kühler, Auspufftöpfe sowie Karosserieteile mit einem Zollsatz in Höhe von meist 12,6 oder 18 Prozent, der über einen Zeitraum von 10 oder 15 Jahren auf null reduziert wird.
Die nachstehende Tabelle zeigt die Top-5-Produkte des Chancenradars, ausgehend von der Höhe der brasilianischen Importe.
NCM-Warengruppe | Produktbezeichnung | MFN-Zollsatz *) | Vollständiger Zollabbau für EU | durchschnittlicher jährlicher Import Brasiliens 2021 bis 2025 | Importtrend | Marktanteil Deutschlands an Brasiliens durchschnittlichen Importen 2021 bis 2025 | Hoher sofortiger Zollvorteil | Hohe Abbaugeschwindigkeit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
87042190 | Andere Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor oder Halbdieselmotor, mit einer Nutzlast von ≤ 5 t | 35 | 1. Januar 2041; Zollabbau beginnt 2033 | 2.916,6 | steigend | 0,0 | ja | |
87082999 | Andere Teile und Zubehör für Karosserien für Kraftfahrzeuge | 18 | 1. Januar 2036 | 1.160,7 | steigend | 12,2 | ja | |
87032210 | Personenkraftwagen und andere Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, mit einem Hubraum von > 1 000 cm3 bis 1 500 cm3, für bis zu 6 Personen | 35 | 1. Januar 2041; Zollabbau beginnt 2033 | 979,8 | sinkend | 0,9 | ja | |
87032310 | Personenkraftwagen und andere Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor, mit einem Hubraum von > 1 500 cm3 bis 3 000 cm3, für bis zu 6 Personen | 35 | 1. Januar 2041; Zollabbau beginnt 2033 | 749,5 | sinkend | 26,2 | ja | |
87033390 | Personenkraftwagen und andere Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor, mit einem Hubraum von > 2 500 cm3, für mehr als 6 Personen | 35 | 1. Januar 2041; Zollabbau beginnt 2033 | 536,0 | steigend | 0,0 | ja |
Zollvorteile stärken Europas Position im Wettbewerb mit China
Chinesische Hersteller strömen massiv nach Brasilien. Im 1. Halbjahr 2026 war das Land der wichtigste Exportmarkt für Autos aus China. Umso bedeutender ist das EU-Mercosur-Abkommen für deutsche Unternehmen. Für ein Kontingent von 32.000 Fahrzeugen pro Jahr gewährt Brasilien bereits jetzt einen reduzierten Zollsatz von 17,5 Prozent.
Chinesische E-Auto-Importe treiben die Elektrifizierung voran. Bis sich die E-Mobilität in Brasilien durchsetzt, dürfte es aber noch dauern. Das liegt insbesondere an dem breiten Einsatz von Biokraftstoffen im Transportsektor, was für eine längere Überlebenszeit des Verbrenners spricht. Bei der E-Mobilität bietet das EU-Mercosur-Abkommen einen Zollvorteil von 10 Prozentpunkten vor den Importen aus China. Europäische E-Autos und Hybrid-Fahrzeuge können zu einem Zollsatz von nur 25 Prozent importiert werden statt den üblichen 35 Prozent.
Weitere Informationen zum Automobilsektor in Brasilien und dem Mercosur
Mehr Informationen zu den Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens auf die Kfz-Branche in den Mercosur-Staaten sowie eine Einordnung der wichtigsten Trends finden Sie in dieser weiterführenden Analyse.
Zu Marktdaten und -trends, dem Marktumfeld und regulatorischen Fragen lesen Sie die Brasilienausgabe unserer Reihe Branche kompakt Kfz.