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Brasilien eröffnet neue Chancen für hochwertige Lebensmittel

Für knapp 400 Produkte ergeben sich besondere Vorteile. Zollabbau und vereinfachte Verfahren können den Marktzugang in Brasilien erleichtern.

Von Gloria Rose, Fabian Nemitz | São Paulo, Bonn

Brasiliens Importe von Nahrungsmitteln und Getränken sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Der Marktanteil Deutschlands ging dabei von 2020 bis 2025 von 2,1 auf 1,5 Prozent zurück. Im Jahr 2025 lag die Bundesrepublik auf Rang 16. Die Importe aus Deutschland bezifferten sich auf 256 Millionen US-Dollar (US$). Die Nachbarstaaten in Südamerika sind wichtige Lieferländer, doch auch Europa insgesamt spielt eine bedeutende Rolle.

Wichtige Importprodukte aus Deutschland sind:

  • Hunde- und Katzenfutter (HS 2309)
  • Schokolade und andere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen (HS 1806)
  • Lebensmittelzubereitungen (HS 2106)
  • Hopfen (HS 1210)
  • Pflanzensäfte und Pflanzenauszüge (HS 1302)

Chancenradar zeigt: 391 Produkte profitieren besonders

Das zum 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Interimshandelsabkommen (iTA) umfasst insgesamt 833 Waren der NCM-Warengruppen 01 bis 24 (Nahrungsmittel und Getränke). Der Zollabbau erfolgt ausgehend von dem ausgehandelten Basiszoll oder dem Meistbegünstigungszollsatz (MFN) – je nach dem welcher niedriger ist.

Bei über 600 Produkten liegt der Ausgangszollsatz bei 9 Prozent und höher. Ein Teil dieser Waren wurde nun bereits zum 1. Mai 2026 zollfrei. Bei den meisten anderen Branchenprodukten liegt der Zeitraum bis zum vollständigen Zollabbau bei vier, acht oder zehn Jahren.

Doch es gibt Ausnahmen: Bei rund 100 Produkten erfolgt kein Zollabbau und bei 26 Produkten gelten Zollkontingente wie beispielsweise für Vollmilch, Käse, Knoblauch und Oliven.
 
Die Analyse zeigt, dass insgesamt 391 Produkte besonders von dem EU-Mercosur-Abkommen profitieren, darunter 182 von einem hohen sofortigen Zollvorteil und 209 von einer Zollabbaugeschwindigkeit von mehr als 1,2 Prozentpunkten pro Jahr. Die nachstehende Tabelle zeigt die Top-5 der Produkte mit hohem Zollvorteil, ausgehend von der Höhe der brasilianischen Importe. Da nicht alle Branchenprodukte relevante Exportwaren Deutschlands sind, sind hier nur Waren berücksichtigt, die Brasilien bereits aus Deutschland bezieht.

Top-5 Chancen bei Nahrungsmitteln und GetränkenImporte in Millionen US-Dollar; Marktanteil in Prozent

NCM-Warengruppe

Produktbezeichnung

MFN-Zollsatz (Basiszollsatz) *)

Vollständiger Zollabbau für EU

durchschnittlicher jährlicher Import Brasiliens 2021 bis 2025

Importtrend

Marktanteil Deutschlands an Brasiliens durchschnittlichen Importen 2021 bis 2025

Hoher sofortiger ZollvorteilHohe Abbaugeschwindigkeit

22042100

Anderer Wein; Traubenmost, dessen Gärung durch Zusatz von Alkohol verhindert oder unterbrochen worden ist, in Behältnissen mit einem Inhalt ≤ 2 l

27,0

1. Januar 2034

479,8

steigend

0,1

 ja

20041000

Kartoffeln, zubereitet oder haltbar gemacht, gefroren

12,6

1. Januar 2034

401,3

steigend

0,5

 ja

21069090

Andere Lebensmittelzubereitungen

14,4

1. Januar 2036

189,1

steigend

12,8

 ja

22071010

Ethylalkohol, vergällt, mit einem Wassergehalt ≤ 1 %

18 (0)

zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens

155,4

sinkend

0,2

ja 

19019090

Andere Lebensmittelzubereitungen aus Mehl usw., mit einem Gehalt an Kakao < 40 %

14,4

1. Januar 2036

72,7

steigend

4,4

 ja
* Meistbegünstigungszollsatz (allg. WTO-Zollsatz); für EU-Ursprungswaren gelten seit 1.5.26 die im iTA vorgesehenen Basiszollsätze; maßgeblich ist der niedrigere Zollsatz; ist der MFN-Satz niedriger als der Basiszollsatz, gilt der MFN-Satz, und umgekehrt.Quelle: Interimshandelsabkommen EU-Mercosur 2026; Comex Stat 2026; Industrieverband des Bundesstaates São Paulo (FIESP) 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Bessere Chancen im Premiumsegment

Deutsche Produkte wie Bier, Schokolade und Gebäck sind sehr beliebt in Brasilien. Dr. Oetker und Melitta sind fester Bestandteil der brasilianischen Nahrungsmittelindustrie. Ambev, die brasilianische Tochter des weltgrößten Brauereikonzerns AB InBev, produziert die Marken Beck's und Spaten vor Ort. Im Jahr 2025 startete Hofbräu die Produktion in einer Lohnbrauerei in Leme (São Paulo).

Besonders gute Absatzchancen sieht das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat für Milchvorprodukte, Süßwaren/Gebäck, Bier, Wein und Spirituosen. Um diese wahrzunehmen, können die Unternehmen Maßnahmen der neuen Agrarexportstrategie nutzen. Neben niedrigeren Handelskosten profitieren deutsche Hersteller von einem besseren Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen. Traditionelle Produkte wie Schwarzwälder Schinken oder Dresdner Christstollen sind dadurch besser vor Nachahmung geschützt und können ihre Premiumposition im brasilianischen Markt ausbauen.

"Brasilien wird zum Hotspot für Wein und Spirituosen",

schreibt ProWein, der Veranstalter der Messe ProWine São Paulo, der wichtigsten Fachmesse für Wein und Spirituosen in Lateinamerika.

Mindestens ebenso wichtig wie die Zollsenkungen ist der Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse. Das Abkommen sieht einen technischen Dialog vor. Dieser kann dazu beitragen, Zertifizierungs- und Zulassungsverfahren zu vereinfachen. Zukünftig dürften davon insbesondere kleinere und mittelständische Anbieter profitieren, die bislang oft vor den administrativen Hürden des brasilianischen Marktes zurückschreckten.

Weitere Informationen zur Ernährungswirtschaft in Brasilien und dem Mercosur

Mehr Informationen zu den Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens auf den Nahrungsmittel- und Getränkesektor in den Mercosur-Staaten sowie eine Einordnung der wichtigsten Trends finden Sie in dieser weiterführenden Analyse.

Zu Marktdaten und -trends, dem Marktumfeld und regulatorischen Fragen lesen Sie die Brasilienausgabe unserer Reihe Branche kompakt Ernährungswirtschaft.