Special | Mercosur | Chancenradar
Starke deutsche Wettbewerbsposition bei Arzneimitteln
Deutschland ist Brasiliens zweitwichtigstes Lieferland für Arzneimittel. Mit dem Abkommen verbessert sich der Marktzugang. Vier Produkte profitieren besonders.
23.10.2026
Deutschland zählt zu Brasiliens wichtigsten Lieferländern für pharmazeutische Erzeugnisse. In den vergangenen Jahren lag die Bundesrepublik meist auf Rang 2 hinter den USA. Die Importe bezifferten sich 2025 auf knapp 2,2 Milliarden US-Dollar (US$).
Die wichtigsten Importprodukte aus Deutschland sind:
- immunologische Erzeugnisse, dosiert oder in Aufmachung für
den Einzelverkauf (HS 300215) - Vaccine für Humanmedizin (HS 300241) sowie
- Arzneiwaren (HS 3004), darunter vor allem die Gruppen HS 300439 und 300490 ("andere Arzneiwaren")
Brasiliens Arzneimittelimporte sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Deutschland konnte seinen Marktanteil in den vergangenen Jahren halten. Im Jahr 2025 lag er bei 14,5 Prozent. Auf diesem Niveau hatte er auch 2020 gelegen. China zählt bislang nicht zu den Top-10 der Lieferländer, mit Ausnahme des Coronajahres 2021, als die Volksrepublik Rang 2 belegte.
Chancenradar zeigt: Vier Produkte profitieren besonders
Das zum 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Interimshandelsabkommen (iTA) umfasst insgesamt 227 Waren der NCM-Warengruppe 30 (Pharmazeutische Erzeugnisse). Bei einem Großteil der Produkte wurde mit Brasilien ein Basiszollsatz von 14 beziehungsweise 8 Prozent vereinbart. Der Zollabbau erfolgt dabei in den meisten Fällen über zehn beziehungsweise acht Jahre. Allerdings liegt der Meistbegünstigungszollsatz (MFN) bei den Branchenprodukten in der Regel niedriger als der Basiszollsatz (12,6 statt 14 Prozent; 7,2 statt 8 Prozent). Eine Reihe von Produkten ist zudem bereits zollfrei.
Die Analyse von GTAI zeigt, dass insgesamt vier Produkte besonders von dem EU-Mercosur-Abkommen profitieren, davon zwei wegen des sofortigen Wegfalls der Importzölle und zwei wegen der hohen Zollabbaugeschwindigkeit von mehr als 1,2 Prozentpunkten pro Jahr.
Gründe für die geringe Anzahl an "Chancenprodukten" sind das verhältnismäßig niedrige Zollniveau bei Arzneimitteln sowie die langsame Zollabbaugeschwindigkeit. Zudem ist eine größere Anzahl an Branchenprodukten nicht Teil des Handelsabkommens, darunter viele aus den oben genannten wichtigsten Produktgruppen.
Die nachstehende Tabelle zeigt die vier Produkte, die besonders von dem Handelsabkommen profitieren, ergänzt um ein weiteres mit dem höchsten Importvolumen Brasiliens.
NCM-Warengruppe | Produktbezeichnung | MFN-Zollsatz (Basiszollsatz) *) | Vollständiger Zollabbau für EU | durchschnittlicher jährlicher Import Brasiliens 2021 bis 2025 | Importtrend | Marktanteil Deutschlands an Brasiliens durchschnittlichen Importen 2021 bis 2025 | Hoher sofortiger Zollvorteil | Hohe Abbaugeschwindigkeit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
30049078 | Topotecan, Uracil, Tegafur usw. enthaltende Arzneiwaren, dosiert | 14,0 | 1. Januar 2036 | 22,8 | sinkend | 0,2 | ja | |
30069190 | Andere zur Verwendung für Stomata erkennbar Vorrichtungen | 16,2 | 1. Januar 2036 | 7,5 | steigend | 0,0 | ja | |
30063029 | Andere diagnostische Reagenzien zur Verwendung am Patienten | 10,8 (0) | zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens | 1,4 | steigend | 0,0 | ja | |
30045060 | Retinolsäure (Tretinoin) enthaltende Arzneiwaren, dosiert | 7,2 (0) | zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens | 0,8 | steigend | 99,6 | ja | |
30049069 | Andere Arzneiwaren, heterocyclische Verbindungen mit stickstoffhaltigen Heteroatomen enthaltend, dosiert | 7,2 | 1. Januar 2034 | 1.251,6 | steigend | 9,6 |
Wachsender Markt für innovative Arzneimittel
Brasilien ist der größte Pharmamarkt Lateinamerikas und zählt für viele internationale Hersteller zu den wichtigsten Wachstumsmärkten weltweit. Mit dem schrittweisen Abbau von Einfuhrzöllen, die bislang eine Höhe von 14 Prozent erreichten, verbessert das EU-Mercosur-Abkommen die Wettbewerbsposition deutscher Arzneimittelhersteller im brasilianischen Markt.
Die Nachfrage nach Medikamenten steigt aufgrund des demografischen Wandels, einer alternden Bevölkerung und des wachsenden Bedarfs an hochwertigen Gesundheitsleistungen. Davon können insbesondere Anbieter innovativer Arzneimittel profitieren. Das Abkommen erleichtert zudem den Handel und unterstützt die Diversifizierung von Lieferketten, was die Versorgungssicherheit auf beiden Seiten erhöht.
Diese Herausforderungen bleiben bestehen
Für deutsche Unternehmen bleiben jedoch wichtige Herausforderungen bestehen. Das Abkommen erleichtert europäischen Unternehmen grundsätzlich den Zugang zu erfassten öffentlichen Ausschreibungen. Beschaffungen des brasilianischen öffentlichen Gesundheitssystems sind von den brasilianischen Marktöffnungsverpflichtungen jedoch weitgehend ausgenommen. Für Arzneimittelhersteller entsteht deshalb kein uneingeschränkter neuer Zugang zum Beschaffungsmarkt des staatlichen Gesundheitssystems (Sistema Único de Saúde, SUS).
Einkäufe des SUS gehen weiterhin nur an lokale Hersteller. Auch Fragen des Patentschutzes, langwierige Zulassungsverfahren und die begrenzte Vorhersehbarkeit der Preisregulierung zählen weiterhin zu den wichtigsten Hemmnissen. Dennoch verbessert das Abkommen die Rahmenbedingungen für den bilateralen Handel und schafft eine Grundlage für eine engere Zusammenarbeit bei Forschung, Entwicklung und Innovation.
Weitere Informationen zum Pharmasektor in Brasilien und dem Mercosur
Mehr Informationen zu den Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens auf den Pharmasektor in den Mercosur-Staaten sowie eine Einordnung der wichtigsten Trends finden Sie in dieser weiterführenden Analyse.
Zu Marktdaten und -trends, dem Marktumfeld und regulatorischen Fragen lesen Sie die Brasilienausgabe unserer Reihe Branche kompakt Pharmaindustrie.
- Brasilien
- Wirtschaftsumfeld
- Wirtschaftsumfeld