E-Fahrzeuge steigen in der Käufergunst. Großzügige Kaufprämien unterstützen und lenken den E-Automarkt. Chinesische Autos gewinnen hinzu, bleiben aber noch schwach vertreten.
Frankreichs Bevölkerung schwenkt auf E-Mobilität um. Nicht nur großzügige staatliche und lokale finanzielle Unterstützung für den Kauf von E-Autos aus europäischer Fertigung treibt den Markt. Steigende Benzinpreise, neue günstige Modelle mit alltagstauglicher Reichweite und der deutliche Ausbau der Ladeinfrastruktur steigern die Akzeptanz von E-Mobilität.
Gesetzliche Vorgaben erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Fuhrparks umzubauen. Ab 2026 müssen 37,4 Prozent der neu erworbenen Fuhrparkfahrzeuge elektrisch, hybrid oder mit anderen emissionsarmen Antrieben fahren.
Knapp 30 Prozent aller in den ersten acht Monaten 2026 neu zugelassenen Fahrzeuge fahren elektrisch. Die Zulassungen von E-Autos zogen in diesem Zeitraum um 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Bei einer gleichbleibenden Steigerung der Verkäufe könnten die Zulassungen 2026 bereits rund 570.000 E-Fahrzeuge erreichen.
Hybridfahrzeuge führen die Zulassungslisten an. Allerdings entwickelt sich der Hybridsektor deutlich weniger dynamisch als die reine Elektromobilität. Wasserstofffahrzeuge verlieren hingegen an Bedeutung.
Neuzulassungen von elektrischen und hybriden Pkw Stückzahlen; Veränderung in Prozent| | 2023 | Veränderung 2023/2022 | Januar bis Mai 2024 | Veränderung Januar bis Mai 2024/2023 |
|---|
| Elektrofahrzeuge | 298.522 | 47,0 | 129.064 | 23,2 |
| davon Wasserstoff | 306 | 58,5 | 504 | 425,0 |
| Hybridautos | 595.242 | 29,6 | 277.797 | 26,8 |
| davon aufladbare Hybridautos | 162.952 | 28,8 | 59.643 | -0,7 |
| Gesamt | 893.764 | 34,9 | 406.861 | 25,7 |
Quelle: Plateforme de la Filière Automobile (PFA) 2024
Autobauer punkten bei Design und Preis
Die Entwicklung erschwinglicher E-Modelle rückt bei den beiden großen Autobauern des Landes, Renault und Stellantis, in den Vordergrund. Verhältnismäßig kostengünstige und vom Design her attraktive Modelle, wie der R5, R4 und der Twingo von Renault, sprechen französische Käufer generationsübergreifend an. Stellantis zieht voraussichtlich ab 2028 mit einer elektrischen Neuauflage der bis in die frühen 90er-Jahre ikonischen "Ente" (Citroen 2CV) nach.
Ziel ist es, gegenüber der starken und günstigen chinesischen Konkurrenz bestehen zu können. Denn auch die französischen Autobauer befürchten, in den kommenden Jahren wichtige Marktanteile an ausländische Anbieter zu verlieren.
Chinesische E-Autos erst schwach vertreten
Der Marktanteil chinesischer Marken belief sich in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 auf 5,4 Prozent der Gesamtzulassungen. Zwar gewannen chinesische Marken wie MG oder BYD in den vergangenen Jahren nach ihrem Markteintritt zügig Neukunden. Käufer agieren jedoch preissensibel. Europäische Einfuhrzölle sowie der faktische Ausschluss von in China gefertigten E-Fahrzeugen vom französischen Kaufbonus haben sich unmittelbar auf das Kaufverhalten ausgewirkt. Chinesische Hersteller wie MG, Jaecoo oder BYD verlagern ihr Angebot auf Hybridfahrzeuge, die nicht von europäischen Einfuhrzöllen erfasst werden.
Autobauer passen Elektrostrategie an
Angesichts des langsamen Hochlaufs der E-Mobilität und der Debatte über das Verbrenneraus 2035 passen Stellantis und Renault ihre Strategien an.
Stellantis hat 2026 bekannt gegeben, sich im Rahmen seiner Strategie Fastlane 2030 zwar vornehmlich auf Elektro- und Hybridfahrzeuge zu fokussieren. Gleichzeitig will der Konzern auch künftig eine Vielzahl neuer Verbrennerfahrzeuge auflegen.
Renault hat im März 2026 seine neue Strategie "futuREady" vorgestellt. Ab 2030 will der Autobauer in Europa 100 Prozent elektrifizierte Modelle (E- und Hybridfahrzeuge) verkaufen. Insbesondere außerhalb Europas behält sich Renault jedoch vor, weiterhin Verbrennerfahrzeuge auf den Markt zu bringen.
Französischer Batteriehochlauf stockt
Beide Gruppen investieren nicht nur in die eigene Produktpalette, sondern auch in die Sicherstellung der Zulieferungen, insbesondere bei Batterien. Renault ist Anteilseigner und wichtigster Kunde der Batteriegigafabrik von Verkor in Dunkerque. Allerdings hat Verkor derzeit Probleme mit dem industriellen Hochlauf und kann noch nicht in der geforderten Menge liefern.
Stellantis stützt sich bei Batterien unter anderem auf den Hersteller ACC im nordfranzösischen Billy-Berclau. ACC ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stellantis, Mercedes und der Total-Énergie-Tochter Saft. Aber auch hier stockt der Produktionshochlauf.
Ausbau von Ladestationen kommt schnell voran
Die Ladeinfrastruktur wird zügig ausgebaut. Ende August 2026 waren in Frankreich laut dem Verband für E-Mobilität Avere gut 200.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Betrieb. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um 13 Prozent. Die Gesamtzahl der privaten und öffentlichen Ladepunkte beziffert der Netzbetreiber Enedis auf rund 3,3 Millionen.
Auch der Ausbau der nicht oder nur teilweise öffentlich zugängigen Lademöglichkeiten steht im Fokus. Über das Programm Advenir sollen bis 2027 in Betrieben, Mehrfamilienhäusern und öffentlich zugänglichen Privatparkplätzen insgesamt 250.000 Ladepunkte eingerichtet werden. Das Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von 520 Millionen Euro stellt Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Kosten in Aussicht. Pro Ladeeinrichtung sind höchstens 8.000 Euro vorgesehen.
Der Ausbau ist dringend erforderlich. So Heiko Carrie, ehemaliger Vorstandschef der Bosch-Gruppe in Frankreich: "Die Infrastruktur ist noch weit davon entfernt, auszureichen. Es sind gewaltige Investitionen notwendig, um die steigenden Bedarfe abzudecken." Allerdings ist sich der Experte auch sicher: "Wir sind noch lange nicht am technologischen Ende, da wird noch sehr viel passieren in den nächsten Jahren."
Erstmals Kaufprämie für gebrauchte E-Fahrzeuge
Um die Elektromobilität anzuschieben, fördert der Staat über das System der Energiesparzertifikate indirekt den Kauf eines Elektrofahrzeugs mit einkommensabhängigen Kaufprämien. Ist das gewählte Fahrzeug mit einer in Europa produzierten Batterie ausgestattet, erhöht sich die Prämie. Lokale finanzielle Hilfen ergänzen die Förderung. Zudem hat der Staat im Juli 2026 erneut sein Sozialleasingprogramm für einkommensschwache Haushalte aufgelegt. Seit dem 1. September 2026 können Käufer zudem erstmals von einer Kaufprämie beim Erwerb gebrauchter E-Autos profitieren.
Kaufanreize für Elektrofahrzeuge | Förderung von E-Mobilität 2026 | Förderung in Euro |
|---|
| Kaufprämie ("Coup de Pouce") | 3.500 - 5.700 (einkommensabhängig) |
| E-Auto mit in Europa gefertigter Batterie | 1.200 - 2.000 (einkommensabhängig) |
| Sozialleasing | Leasing zu Monatsraten von < 200 Euro pro Monat (einkommensschwache Haushalte) |
| Kaufprämie für gebrauchte E-Autos (seit 1.9.2026) | 2.000 Euro, Voraussetzung u.a.: Batterie mit Niveau SOH (State of Health) 80 % |
| Lokale Zuschläge (z.B. Großraum Paris) | 1.500 - 5.000 (einkommens- und gewichtsabhängig) |
Quelle: Ministère de la Transition Écologique, Métropole du Grand Paris 2026
Seit Ende 2023 profitieren nur noch Fahrzeuge von den Förderprämien, die bei der Produktion Umwelt- und Emissionskriterien einhalten. Faktisch sind damit in China produzierte E-Autos von einer Förderung ausgeschlossen.
Von Frauke Schmitz-Bauerdick
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Paris