Branche kompakt | Frankreich | Automobilsektor

E-Mobilität kommt im Mainstream an

Der Automobilsektor in Frankreich gewinnt nach schwierigen Jahren wieder an Schwung. Verbraucher schwenken auf E-Mobilität um. Zulieferer expandieren in neue Geschäftsfelder.  

Frauke Schmitz-Bauerdick

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Ausblick der Kfz-Branche in Frankreich

Bewertung:

  • Die Autoverkäufe erholen sich, liegen aber noch unter dem Vor-Corona-Niveau.
  • Elektromobilität entwickelt sich gut, angetrieben durch großzügige Kaufanreize und steigende Benzinpreise.
  • Verbrennungsmotoren verlieren in der Käufergunst.
  • Chinesische Konkurrenz und die sinkende Nachfrage nach Teilen für E-Mobilität belasten Zulieferer.
  • Hersteller und Kfz-Zulieferer orientieren sich in Richtung neuer Geschäftsfelder.

     

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Oktober 2026 

  • Frankreichs Automarkt erholt sich. E-Autos erobern die Straßen des Landes. Chinesische Konkurrenz und der Ausbau der E-Mobilität belasten Autobauer und Zulieferer.

    74 %

    mehr E-Autos als im Vorjahreszeitraum wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 zugelassen. 

    Der französische Automobilmarkt erholt sich nach schwierigen Jahren, steht aber nach wie vor unter Druck. Die Zulassungen von Neufahrzeugen ziehen in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Verbraucher kaufen trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit wieder mehr Autos, auch als Ersatz für ältere Fahrzeuge. Denn der französische Fuhrpark altert zusehends. Das Durchschnittsalter der französischen Pkw-Flotte liegt bei 12,3 Jahren. Dennoch liegen die Zulassungen nach wie vor 26 Prozent unter dem Vorcorona-Niveau. 

    E-Autos erobern Frankreichs Straßen

    E-Mobilität ist im Mainstream angekommen. Die Neuzulassungen von E-Autos steigen in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 um 74 Prozent. Damit erreichen sie einen Anteil von knapp 30 Prozent an den Neuzulassungen. Hohe Benzinpreise, eine attraktive Förderung und immer mehr preislich und gestalterisch ansprechende Modelle treiben den Absatz. Auch das Vertrauen der Verbraucher in E-Technologie und Ladeinfrastruktur wächst.

    Auch Hybridfahrzeuge verkaufen sich gut, wenn auch weniger dynamisch als E-Autos. Sie machen mehr als 50 Prozent der Neuzulassungen aus. Hybridfahrzeuge profitieren zwar nicht von den gleichen attraktiven Kaufboni wie Elektroautos. Sie sind aber oft noch günstiger und reichweitenstärker als E-Autos. Autos mit Verbrennungsmotor, insbesondere Dieselfahrzeuge, verlieren hingegen in der Käufergunst. Dieselautos machten in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 lediglich 2,5 Prozent der Gesamtzulassungen aus. Wasserstoffmobilität wird zur Nischentechnologie. 

    Chinesische Unternehmen weiten Präsenz aus

    Fahrzeuge der beiden französischen Autokonzerne Stellantis und Renault sind in Frankreich weiterhin am beliebtesten. Gut 52 Prozent aller in Frankreich verkauften Kfz kommen aus den Werken der französischen Hersteller. Am besten verkaufen sich verhältnismäßig günstige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wie der Peugeot 208 oder der Dacia Sandero. E-Fahrzeuge wie das Model Y von Tesla und der Renault 5 folgen. Sie belegen in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 Rang 5 und 6 der Verkaufscharts. Erfolgreichster deutscher Autobauer ist die Volkswagen-Gruppe. Der Hersteller erreicht mit seinem Pkw-Gesamtportfolio (inklusive Audi, Seat und Skoda) einen Marktanteil von 14,4 Prozent. Erfolgreichste Modelle sind der Polo VI, der T-Roc und der ID.4.

    Neuzulassungen von Pkw nach Herstellern in Frankreich 2026Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent

    Hersteller*

    Absatz Januar bis August 2026

    Veränderung Januar bis August 2026 / Januar bis August 2025

    Marktanteil Januar bis August 2026

    Renault (Gruppe Renault)

    250.513

    1,2

    19,2

    Peugeot (Gruppe Stellantis)

    180.436

    -8,2

    13,9

    Citroen (Gruppe Stellantis)

    107.639

    2,8

    8,3

    Dacia (Gruppe Renault)

    87.195

    -10,3

    6,7

    Volkswagen (Gruppe Volkswagen)

    79.453

    -0,7

    6,1

    Toyota

    77.968

    -6,5

    6,0

    *Pkw und kleine Nutzfahrzeuge (< 5t).Quelle: Plateforme de la Filière Automobile (PFA) 2026

    Chinesische Fahrzeuge beginnen, den französischen Markt zu erobern. In den ersten acht Monaten 2026 lag ihr Marktanteil laut dem Verband CCFA bei 5,4 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat er sich damit verdoppelt.

    Zulieferindustrie fordert Local-Content-Vorgaben

    Die Branche ist alarmiert und fordert politische Unterstützung gegen die chinesische Konkurrenz. Der Verband FIEV fordert strikte "Made in Europe"-Vorgaben im Rahmen des Industry Accelerator Acts. Der Verband plädiert für eine Local-Content-Quote von 75 Prozent bei Kfz-Teilen. Batterien sollen nicht von dieser Quote erfasst werden. Hier fehlt es noch an einer hinreichenden europäischen Produktion. In Frankreich sind mit ACC und Verkor zwei junge Batteriehersteller aktiv. Allerdings haben sowohl Verkor als auch ACC Probleme mit dem Produktionshochlauf. 

    Stellantis intensiviert Kooperationen mit chinesischen Herstellern

    Angesichts von Zöllen und möglichen Local-Content-Vorgaben weiten chinesische Unternehmen ihre Präsenz in Europa und Frankreich aus. Dies geschieht teils in Kooperation mit lokalen Herstellern. So arbeitet Stellantis seit Oktober 2023 eng mit Leapmotor zusammen. Für Produktion, Vertrieb und Ingenieurleistungen haben beide Partner ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen mit Mehrheitsbeteiligung von Stellantis gegründet.

    Zudem hat Stellantis im Mai 2026 angekündigt, sich mit seinem langjährigen chinesischen Partner Dongfeng zu einem europäischen Joint Venture zusammenzuschließen. Ziel ist es, die europäischen Vertriebsaktivitäten, Produktion sowie Entwicklungs- und Ingenieurleistungen zu bündeln. Dongfeng wird voraussichtlich ab 2028 in der Citroen-Fabrik in Rennes sein Oberklassemodell Voyah produzieren.

    Autobauer und Zulieferer erkunden neue Geschäftsfelder

    Nicht nur die chinesische Konkurrenz, sondern auch der Ausbau der E-Mobilität insgesamt belastet Autobauer und Zulieferer. E-Autos sind im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weniger komplex. Daher werden nicht nur weniger Teile, sondern auch weniger Arbeitskräfte benötigt. Laut Branchenverband FIEV haben 2025 rund 45 Prozent der Kfz-Zulieferer Arbeitsplätze gestrichen. Zudem erwarten 74 Prozent der französischen Zulieferer, in den kommenden fünf Jahren Produktionskapazitäten herunterzufahren.

    Zulieferer und Original Equipment Manufacturer (OEM) orientieren sich in angrenzende Geschäftsfelder um. Valeo expandiert in Bereiche wie Ladeinfrastruktur, Energielösungen für Datenzentren und Verteidigung. Renault hingegen setzt auf Robotik und weitet seine Verteidigungskapazitäten aus.

    E-Autos werden multifunktional und autonom

    E-Autos wandeln sich vom reinen Stromverbraucher zum Energiespeicher. In den neuen Renault-Modellen R4 und R5 sind bereits Anlagen zum bidirektionalen Laden integriert. Bei Stellantis soll diese Möglichkeit ab 2027 in allen neuen E-Modellen integriert werden.

    Fahrzeugsoftware gewinnt an Gewicht. Das Auto wird zum rollenden Computer, Entertainmentraum und Generator multipler Datensätze. Sowohl Renault als auch Stellantis schwenken auf eine Software-Defined-Vehicle-Datenarchitektur (SDV) um. Die neuen E-Vans Trafic, Estafette und Goelette von Renault sollen mit SDV-Technologie ausgestattet werden. SDV ermöglicht unter anderem Fernupdates und vorausschauende Wartung. Dies kann die Betriebskosten senken. 

    Stellantis hingegen steigt in das autonome Fahren ein. Im Juni 2026 hat der Konzern eine Partnerschaft mit Wayve abgeschlossen, um selbstfahrende Taxis auf die Straßen zu bringen. Tesla hat bereits im September 2026 auf französischen Straßen Autos im Full-Self-Drive-Modus (Level 2) getestet.

    27.10.2026 Interview | Frankreich | Automobilsektor
    Die europäische Autoindustrie lebt

    Die Stimmung in Frankreichs Autoindustrie ist schlecht. Aber noch ist nicht alles verloren. Branchenexperte Heiko Carrie erklärt, warum. 

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

  • Mit den Herstellern Stellantis und Renault verfügt Frankreich über Branchenweltkonzerne. Große Zulieferer arbeiten an der Mobilitätswende. Kleine Sektorunternehmen aber leiden. 

    Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte europäische Absatzmarkt. Die Weltkonzerne Stellantis und Renault produzieren auch in Frankreich Pkw und Nutzfahrzeuge für den Weltmarkt.

    Stellantis und Renault fahren mehrgleisig

    Die Großgruppe Stellantis vereint 14 Automarken, unter anderem Citroën, Peugeot und Opel, unter einem Dach. Sie entstand 2021 aus dem Zusammenschluss von PSA und Fiat Chrysler (FCA). Stellantis intensiviert zudem in Europa seine Kooperation mit den chinesischen Autobauern LeapMotors und Dongfeng.

    Stellantis befindet sich seit dem plötzlichen Abgang des ehemaligen Konzernchefs Tavares Ende 2024 im Umstrukturierungsmodus. Schwierigkeiten auf dem amerikanischen Markt, Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen hatten den Konzern in die Verlustzone geführt. Im Mai 2026 hat der Konzern seinen Plan FaSTLAne 2030 aufgelegt. Der Investitionsplan in Höhe von 60 Milliarden Euro soll erneut Wachstum und Rentabilität anschieben. Zeitgleich will Stellantis seine Produktionskapazitäten weltweit um 800.000 Einheiten reduzieren. Frankreich allerdings scheint von den Kürzungsplänen zunächst verschont zu bleiben. Nach bislang unbestätigten Presseberichten von Bloomberg plant Stellantis vielmehr Investitionen in Höhe von 1 Milliarde Euro in die Produktion zweier Nutzfahrzeugmodelle in Frankreich.

    Renault arbeitet sich aus der Krise 

    Die Renault-Gruppe mit Untermarken wie Dacia ist der zweite große französische Hersteller. Nach Jahren der Umstrukturierung hat sich Renault von seinem langjährigen japanischen Partner Nissan getrennt. Allerdings kooperieren beide Partner nach wie vor im Bereich Elektromobilität.

    Renault fokussiert sich auf dem europäischen Markt auf E-Mobilität. Die drei Produktionsstandorte Douai, Ruitz und Maubeuge in der Region Hauts-de-France baut Renault zum "Pôle ElectricCity" aus. Damit entsteht ein Produktionszentrum für die Elektromobilität. In Douai wird der neue und sehr erfolgreiche Renault 5 Électrique gebaut. Die Motoren für seine Elektromodelle Megane und R5 fertigt Renault in seinem für 620 Millionen Euro umgerüsteten Werk in Cleon. In Maubeuge wird seit 2026 der E-R4 hergestellt. Gleichzeitig baut Renault insbesondere im außereuropäischen Ausland seine Verbrennersparte unter Beteiligung von Geely und dem saudi-arabischen Fonds Aramco aktiv weiter aus. Trotz der Erfolge seiner neuen Modelle muss auch Renault Stellen abbauen. Im Juni 2026 hatte Renault angekündigt, bis Ende 2027 in Frankreich 800 Ingenieurstellen abbauen zu wollen.

    Toyota ist der drittwichtigste Autohersteller des Landes. Der japanische Autobauer erreicht in Frankreich in den ersten acht Monaten 2026 einen Marktanteil bei Neuzulassungen von 6,7 Prozent. Toyota produziert in der Region Hauts-de-France die Hybridfahrzeuge Yaris Cross und Toyota Yaris für den europäischen Markt.  

    Das deutsch-britische Unternehmen Ineos baut seit 2022 seinen Geländewagen Grenadier im ehemaligen Smart-Werk von Daimler in Hambach. Daimler produziert seit Juni 2024 in Ligny-en-Barrois den E-Transporter eCitaro. Damit ist Daimler das einzige deutsche Unternehmen, das in Frankreich mit einer eigenen Produktion vertreten ist. 

    Zulieferer schließen ihre Fabriken

    Der französische Zuliefersektor ist von kleinen, mittelständischen Unternehmen geprägt. Nach den zuletzt verfügbaren Angaben der Zuliefervereinigung FIEV (Fédération des Industries des Equipements pour Véhicules) beschäftigten die gut 300 Branchenunternehmen 2024 rund 58.000 Mitarbeiter. Die Zulieferindustrie erzielte 2024 einen Umsatz von 17 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

    Der Branche geht es nicht gut. Nach einer Umfrage der FIEV vom Januar 2026 haben 45 Prozent der Branchenunternehmen im Jahr 2025 Mitarbeiter entlassen. Insgesamt 74 Prozent erwarten, bis 2030 Produktionskapazitäten in Europa abzubauen. Nicht nur die steigende chinesische Konkurrenz, sondern auch die sinkende Nachfrage nach Teilen für die Elektromobilität belastet den gesamten Sektor.

    Branchenunternehmen sind gezwungen, sich zu diversifizieren und neue Märkte zu erschließen. Insbesondere kleinere Zulieferer haben nach margenschwachen Jahren Schwierigkeiten, die notwendigen technologischen Anpassungen zu finanzieren. Immer wieder kommt es zu Fabrikschließungen oder Betriebsverlagerungen. Auch die großen Teilehersteller Valeo, Faurecia, OPMobility (ehemals Plastic Omnium) und Bosch sowie der Reifenhersteller Michelin befinden sich im Umstrukturierungsprozess. Dies gilt, obwohl sie in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern zu den internationalen Marktführern zählen. Auch in Frankreich schließen sie Fabriken und bauen Arbeitsplätze ab. 

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Frankreich 2025In Millionen Euro, Veränderung in Prozent
     

    Einfuhren Welt

    Veränderung 2025 / 2024

    aus Deutschland

    Veränderung 2025 / 2024

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    1.654,9

    -2,7

    362,1

    -8,1

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    16.993,7

    2

    3.564,8

    -10,8

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    1.995,5

    7,5

    30,3

    -7,6

    SITC 713.2 Motoren

    2.302,3

    26,9

    103,2

    23,4

    Summe

    22.946,4

    4,2

    4.060,3

    -9,9

    Quelle: Eurostat 2026

    Verteidigung wird zum Rettungsanker 

    Zulieferer erschließen neue Industriesegmente als Überlebensstrategie. Gerade die Verteidigungsindustrie steht im Fokus der Hoffnungen von Automobilzulieferern, aber auch von Herstellern wie Renault. Unternehmen wie Schäffler, Valeo, Forvia oder Renault steigen in die Drohnenproduktion ein. Renault expandiert zudem in den Bereich Militärfahrzeuge. 

    Automobilkonzerne und Automobilzulieferer nehmen aber auch Projekte außerhalb der Verteidigungsindustrie in den Blick. Die Bereiche Robotik und autonomes Fahren gewinnen an Schwung. Stellantis kooperiert mit Wayve und Uber bei der Ausweitung von Robotertaxis des Levels 4 (ohne Fahrer). Renault arbeitet zusammen mit dem französischen Start-up Wandercraft an der Entwicklung humanoider Robotik. Diese soll zunächst in Produktionshallen zum Einsatz kommen. Renault plant zudem, in die Roboterproduktion einzusteigen. 

    Batteriehochlauf stockt

    Die Batteriewertschöpfungskette von der Materialgewinnung über die Produktion bis zum Recycling wird ausgebaut. Die Region Hauts-de-France entwickelt sich durch Großinvestitionen von ACC und Verkor zum Vallée de la Batterie. Allerdings verläuft der Hochlauf schleppender als gedacht. Batterieproduzenten fordern weitergehende Unterstützung und zumindest zeitweisen Schutz vor der asiatischen Konkurrenz.

    Wichtige Investitionsprojekte in Frankreichs Kfz-IndustrieInvestitionssumme in Milliarden Euro

    Vorhaben

    Investitionssumme

    Projektstand

    ProLogium (Taiwan);  Batterieproduktion; Dunkerque

    5,2

    Grundsteinlegung Februar 2026, Produktionsbeginn geplant 2028

    Orano (Frankreich)/XTC New Energy Group (China), Produktion von kathodenaktiven Materialien (CAM) sowie Produktion von Vorstufen für aktive Kathodenmaterialien (PCAM) (Option); Dunkerque

    1,5 (500 Mio. für die erste Stufe (CAM-Produktion))

    Projektankündigung Mai 2023; Grundsteinlegung Mai 2026, Produktionsbeginn geplant Ende 2028

    Stellantis, Ausbau Produktion Mulhouse; Produktion von 3 Peugeot-Modellen (elektrisch und hybrid)

    1,0 

    Projektankündigung Juni 2026, Produktionsbeginn 2029

    Automotive Cell Company, Batterieproduktion, Hauts-de-France, Kapazitätsausbau auf insgesamt 40 GWh in 2030

    0,85

    1. Produktionseinheit in Betrieb, Ausbau der 2. Produktionseinheit seit März 2024, Produktionsbeginn 2. Produktionseinheit geplant 2027

    EMME, Produktion zur Konversion von Mineralien für die Batterieproduktion, Gironde

    0,5

    Genehmigungen erteilt 2026, Baubeginn geplant 2026, Inbetriebnahme geplant 2028 

    Windrose Technology (China), Fertigung elektrischer Lastwagen; geplante Kapazität: 4.000 E-LKW pro Jahr, Onnaing

    0,2

    Projektankündigung Mai 2025, Produktionsstart geplant 2. Quartal 2027

    Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest 2026

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

  • Deutschland und Frankreich sind Teil des EU-Binnenmarktes. Entsprechend gelten grundsätzlich die gleichen Rahmenbedingungen.

    In Frankreich wird die europäische Typenzulassung (auch von Kleinserien) vom Centre National de Réception des Véhicules (CNRV) erteilt. Technische Untersuchungen führt das UTAC in Linas-Montlhéry und Mortefontaine durch. Eine Zulassung nur für Frankreich oder für ein bestimmtes Fahrzeug kann von regionalen Umwelt- und Bauämtern DREAL (Direction régionale de l'environnement, de l'aménagement et du logement) ausgestellt werden.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • E-Fahrzeuge steigen in der Käufergunst. Großzügige Kaufprämien unterstützen und lenken den E-Automarkt. Chinesische Autos gewinnen hinzu, bleiben aber noch schwach vertreten.

    Frankreichs Bevölkerung schwenkt auf E-Mobilität um. Nicht nur großzügige staatliche und lokale finanzielle Unterstützung für den Kauf von E-Autos aus europäischer Fertigung treibt den Markt. Steigende Benzinpreise, neue günstige Modelle mit alltagstauglicher Reichweite und der deutliche Ausbau der Ladeinfrastruktur steigern die Akzeptanz von E-Mobilität. 

    Gesetzliche Vorgaben erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Fuhrparks umzubauen. Ab 2026 müssen 37,4 Prozent der neu erworbenen Fuhrparkfahrzeuge elektrisch, hybrid oder mit anderen emissionsarmen Antrieben fahren. 

    Knapp 30 Prozent aller in den ersten acht Monaten 2026 neu zugelassenen Fahrzeuge fahren elektrisch. Die Zulassungen von E-Autos zogen in diesem Zeitraum um 74 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Bei einer gleichbleibenden Steigerung der Verkäufe könnten die Zulassungen 2026 bereits rund 570.000 E-Fahrzeuge erreichen. 

    Hybridfahrzeuge führen die Zulassungslisten an. Allerdings entwickelt sich der Hybridsektor deutlich weniger dynamisch als die reine Elektromobilität. Wasserstofffahrzeuge verlieren hingegen an Bedeutung.  

    Neuzulassungen von elektrischen und hybriden Pkw Stückzahlen; Veränderung in Prozent
     

    2023

    Veränderung 2023/2022 

    Januar bis Mai 2024

    Veränderung Januar bis Mai 2024/2023 

    Elektrofahrzeuge

    298.522

    47,0

    129.064

    23,2

      davon Wasserstoff

    306

    58,5

    504

    425,0

    Hybridautos

    595.242

    29,6

    277.797

    26,8

      davon aufladbare Hybridautos

    162.952

    28,8

    59.643

    -0,7

    Gesamt

    893.764

    34,9

    406.861

    25,7

    Quelle: Plateforme de la Filière Automobile (PFA) 2024

    Autobauer punkten bei Design und Preis

    Die Entwicklung erschwinglicher E-Modelle rückt bei den beiden großen Autobauern des Landes, Renault und Stellantis, in den Vordergrund. Verhältnismäßig kostengünstige und vom Design her attraktive Modelle, wie der R5, R4 und der Twingo von Renault, sprechen französische Käufer generationsübergreifend an. Stellantis zieht voraussichtlich ab 2028 mit einer elektrischen Neuauflage der bis in die frühen 90er-Jahre ikonischen "Ente" (Citroen 2CV) nach. 

    Ziel ist es, gegenüber der starken und günstigen chinesischen Konkurrenz bestehen zu können. Denn auch die französischen Autobauer befürchten, in den kommenden Jahren wichtige Marktanteile an ausländische Anbieter zu verlieren. 

    Chinesische E-Autos erst schwach vertreten 

    Der Marktanteil chinesischer Marken belief sich in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 auf 5,4 Prozent der Gesamtzulassungen. Zwar gewannen chinesische Marken wie MG oder BYD  in den vergangenen Jahren nach ihrem Markteintritt zügig Neukunden. Käufer agieren jedoch preissensibel. Europäische Einfuhrzölle sowie der faktische Ausschluss von in China gefertigten E-Fahrzeugen vom französischen Kaufbonus haben sich unmittelbar auf das Kaufverhalten ausgewirkt. Chinesische Hersteller wie MG, Jaecoo oder BYD verlagern ihr Angebot auf Hybridfahrzeuge, die nicht von europäischen Einfuhrzöllen erfasst werden. 

    Autobauer passen Elektrostrategie an

    Angesichts des langsamen Hochlaufs der E-Mobilität und der Debatte über das Verbrenneraus 2035 passen Stellantis und Renault ihre Strategien an.

    Stellantis hat 2026 bekannt gegeben, sich im Rahmen seiner Strategie Fastlane 2030 zwar vornehmlich auf Elektro- und Hybridfahrzeuge zu fokussieren. Gleichzeitig will der Konzern auch künftig eine Vielzahl neuer Verbrennerfahrzeuge auflegen. 

    Renault hat im März 2026 seine neue Strategie "futuREady" vorgestellt. Ab 2030 will der Autobauer in Europa 100 Prozent elektrifizierte Modelle (E- und Hybridfahrzeuge) verkaufen. Insbesondere außerhalb Europas behält sich Renault jedoch vor, weiterhin Verbrennerfahrzeuge auf den Markt zu bringen. 

    Französischer Batteriehochlauf stockt

    Beide Gruppen investieren nicht nur in die eigene Produktpalette, sondern auch in die Sicherstellung der Zulieferungen, insbesondere bei Batterien. Renault ist Anteilseigner und wichtigster Kunde der Batteriegigafabrik von Verkor in Dunkerque. Allerdings hat Verkor derzeit Probleme mit dem industriellen Hochlauf und kann noch nicht in der geforderten Menge liefern. 

    Stellantis stützt sich bei Batterien unter anderem auf den Hersteller ACC im nordfranzösischen Billy-Berclau. ACC ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stellantis, Mercedes und der Total-Énergie-Tochter Saft. Aber auch hier stockt der Produktionshochlauf.

    Ausbau von Ladestationen kommt schnell voran

    Die Ladeinfrastruktur wird zügig ausgebaut. Ende August 2026 waren in Frankreich laut dem Verband für E-Mobilität Avere gut 200.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Betrieb. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um 13 Prozent. Die Gesamtzahl der privaten und öffentlichen Ladepunkte beziffert der Netzbetreiber Enedis auf rund 3,3 Millionen. 

    Auch der Ausbau der nicht oder nur teilweise öffentlich zugängigen Lademöglichkeiten steht im Fokus. Über das Programm Advenir sollen bis 2027 in Betrieben, Mehrfamilienhäusern und öffentlich zugänglichen Privatparkplätzen insgesamt 250.000 Ladepunkte eingerichtet werden. Das Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von 520 Millionen Euro stellt Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der Kosten in Aussicht. Pro Ladeeinrichtung sind höchstens 8.000 Euro vorgesehen.

    Der Ausbau ist dringend erforderlich. So Heiko Carrie, ehemaliger Vorstandschef der Bosch-Gruppe in Frankreich: "Die Infrastruktur ist noch weit davon entfernt, auszureichen. Es sind gewaltige Investitionen notwendig, um die steigenden Bedarfe abzudecken." Allerdings ist sich der Experte auch sicher: "Wir sind noch lange nicht am technologischen Ende, da wird noch sehr viel passieren in den nächsten Jahren." 

    Erstmals Kaufprämie für gebrauchte E-Fahrzeuge

    Um die Elektromobilität anzuschieben, fördert der Staat über das System der Energiesparzertifikate indirekt den Kauf eines Elektrofahrzeugs mit einkommensabhängigen Kaufprämien. Ist das gewählte Fahrzeug mit einer in Europa produzierten Batterie ausgestattet, erhöht sich die Prämie. Lokale finanzielle Hilfen ergänzen die Förderung. Zudem hat der Staat im Juli 2026 erneut sein Sozialleasingprogramm für einkommensschwache Haushalte aufgelegt. Seit dem 1. September 2026 können Käufer zudem erstmals von einer Kaufprämie beim Erwerb gebrauchter E-Autos profitieren.

    Kaufanreize für Elektrofahrzeuge
    Förderung von E-Mobilität 2026

    Förderung in Euro

    Kaufprämie ("Coup de Pouce") 

    3.500 - 5.700 (einkommensabhängig)

    E-Auto mit in Europa gefertigter Batterie

    1.200 - 2.000 (einkommensabhängig)

    Sozialleasing

    Leasing zu Monatsraten von < 200 Euro pro Monat (einkommensschwache Haushalte)

    Kaufprämie für gebrauchte E-Autos (seit 1.9.2026)

    2.000 Euro, Voraussetzung u.a.: Batterie mit Niveau SOH (State of Health) 80 %

    Lokale Zuschläge (z.B. Großraum Paris)

    1.500 - 5.000 (einkommens- und gewichtsabhängig)

    Quelle: Ministère de la Transition Écologique, Métropole du Grand Paris 2026

    Seit Ende 2023 profitieren nur noch Fahrzeuge von den Förderprämien, die bei der Produktion Umwelt- und Emissionskriterien einhalten. Faktisch sind damit in China produzierte E-Autos von einer Förderung ausgeschlossen. 

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Frankreich

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministère de l'économie, des finances et de la souveraineté industrielle et numériqueWirtschaftsministerium (federführend für Förderprogramme)
    Ministère de la transition écologiqueUmweltministerium (federführend für Kauf- und Verschrottungsprämien)
    Plateforme automobile (PFA)Dachverband der Automobilindustrie
    Comité des Constructeurs Français d'Automobiles (CCFA)Verband französischer Hersteller
    Fédération des Industries des Equipements pour Véhicules (FIEV)Verband der Kfz-Zulieferindustrie
    Association nationale pour le développement de la mobilité électrique (Avere-France)Verband zur Förderung der Elektromobilität
    Chambre Syndicale Internationale de l’Automobile et du Motocycle (CSIAM)Verband ausländischer Hersteller
    Le Journal de l'AutomobileFachzeitschrift für die Kfz-Industrie
    Auto InfosFachzeitschrift für den Automarkt

    L'automobile et l'entreprise

    Fachzeitschrift für Flottenmanagement
    Mondial de ParisIm Zweijahresrhythmus in Paris stattfindende Messe für Automobile und Mobilität 
    Equip AutoMesse für Reparatur- und Mobilitätsdienstleistungen
    auto-moto.comPortal für Markt und Industrie
    automobile-propre.comPortal für Elektrofahrzeuge

    Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris