Wirtschaftsstandort | Griechenland

Griechenland wirbt um mehr Investitionen

Fördermittel und Reformen sollen Geldgeber ermuntern, mehr zu investieren. Energiepreise, Steuern und Bürokratie belasten die Unternehmen.

 

Michaela Balis

Von Michaela Balis | Athen

Griechenland zählt mit seinen rund 10 Millionen Einwohnern zu den mittelgroßen EU-Staaten. Dank seiner Lage im östlichen Mittelmeer fungiert das mediterrane Land als Drehscheibe zwischen Europa, der arabischen Welt und Asien.

  • Griechenland ist eine dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft, die Kooperationsmöglichkeiten bietet. Strukturreformen und Förderprogramme stärken die Investitionstätigkeit.

    Positive Bewertungen deutscher und internationaler Ratingagenturen stärken Griechenlands Ansehen als Investitionsstandort. Hinzu unterstreichen die im EU-Vergleich überdurchschnittlichen Wachstumsraten seit 2021 die robuste Entwicklung der griechischen Wirtschaft.

    Fördermittel der EU, vor allem aus dem Aufbaufonds, kurbelten die Wirtschaft bis 2026 an. Ab 2027 sollen staatliche Investitionsprogramme sowie Finanzmittel aus neuen EU-Fonds die Modernisierung der Infrastruktur vorantreiben. Zudem sollen sie die Umsetzung vor allem grüner und digitaler Projekte unterstützen.

    Risiken ergeben sich aus geopolitischen Spannungen, hohen Energiepreisen sowie steigender Inflation. Zudem stellen Bürokratie sowie langwierige Genehmigungs- und Gerichtsverfahren Unternehmen weiterhin vor Herausforderungen.

    Als Mitgliedstaat der EU verfolgt Griechenland deren gesteckte Klimaziele. Bis 2050 will das Land klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, sind der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, Investitionen in Energiespeicher und die Entwicklung von Lösungen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid geplant. Zudem sollen die internationalen Strom- und Gasleitungen in der Region erweitert werden. Dadurch könnte Griechenland künftig auch grünen Strom nach Deutschland liefern.

    10,4 Mio.

    Personen lebten 2025 im Land.

    Quelle: Eurostat 2026

    307,5 Mrd.

    US-Dollar beträgt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2026

    29.700 US-Dollar

    dürfte das BIP pro Kopf damit 2026 ausmachen.

    Quelle: IWF 2026

    Rang 32

    belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 56

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    2,1 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2018.

    Quelle: CIA 2025

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen

    Nach dem Auslaufen des EU-Aufbaufonds plant die griechische Regierung weitere Förderprogramme, um Investitionen vorzutreiben. 

    "Griechenland hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es wirtschaftliche Stabilität, Reformbereitschaft und neue Investitionsdynamik miteinander verbinden kann",

    sagt Agis Papadopoulos, Vorstandsvorsitzender der AHK Griechenland.

    Flexible Fachkräfte mit häufig guten Fremdsprachenkenntnissen, die sich schnell an ein internationales Arbeitsumfeld anpassen, tragen zu dieser Einschätzung bei. Das ist ein Vorteil für deutsche Unternehmen, die sich im Land niederlassen.

    Griechenland positioniert sich zunehmend als Standort für Rechenzentren, Innovation und Softwareentwicklung. So haben unter anderem die Deutsche Telekom, Pfizer und Deloitte Innovations- und Entwicklungszentren in Thessaloniki aufgebaut. Chancen bieten darüber hinaus Partnerschaften mit einheimischen Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsbranche sowie mit Werften.

    Für deutsche Anbieter von Technologien und Ausrüstungen bietet auch die Energiesparte gute Ansatzpunkte. Diese reichen von der Energiespeicherung bis zur Infrastruktur für Erdgas- und Stromnetze.

    Weitere Potenziale für ein deutsch-griechisches Engagement bestehen in der Pharmabranche, der Lebensmittelindustrie sowie im Bereich Logistik.  

    Deutschland ist nicht nur im Außenhandel ein Schlüsselpartner für Griechenland

    Deutschland ist einer der wichtigsten Investoren im Land sowie der bedeutendste Handelspartner. Deutsche Unternehmen sind weiterhin die wichtigsten Lieferanten von Produkten nach Griechenland. Es folgen China und Italien (Stand: Juni 2026). Als Abnehmer griechischer Erzeugnisse stehen Italien an erster und Deutschland an zweiter Stelle. Dahinter folgen Bulgarien und Zypern.

    SWOT-Analyse Griechenland

    S

    Stärken Strengths

    • Mitglied der EU und der Eurozone
    • Brückenkopf zwischen Ost und West
    • Gut ausgebildetes Personal
    • Robuste Tourismusbranche
    • Solides Wirtschaftswachstum
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Hoher BIP-Anteil des Dienstleistungssektors
    • Zunehmender Fachkräftemangel
    • Komplizierte Genehmigungsabläufe
    • Langwierige Gerichtsverfahren
    • Relativ hohe Kreditzinsen
    O

    Chancen Opportunities

    • Verfügbarkeit von EU-Fördermitteln
    • Ausbaufähige Energiebranche
    • Effektive nationale Investitionsförderung
    • Potenzieller Logistikhub
    • Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur
    T

    Risiken Threats

    • Geopolitische regionale Risiken
    • Hohe Preise und Engpässe für Energieträger
    • Steigende Inflation
    • Geringe Kaufkraft
    • Angespanntes Verhältnis zur Türkei

    Immobiliensektor und Tourismus stützen die Wirtschaft

    Rund 78 Prozent der Bruttowertschöpfung wurden im Jahr 2024 im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Dies meldet das griechische Statistikamt Elstat.

    Der Immobiliensektor ist die wichtigste Dienstleistungssparte mit einem Anteil von fast 16 Prozent an der Bruttowertschöpfung des Sektors. Es folgen Hotellerie und Gastronomie mit etwa 7 Prozent. 

    Der Sektor Industrie unter Einschluss der Sparten Bergbau, Energie, Abfallbehandlung und Wasserversorgung trägt rund 19 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Der wichtigste Zweig des verarbeitenden Gewerbes ist die Produktion von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren. Es folgt die Sparte Produktion und Verarbeitung von Metallerzeugnissen.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Griechenland Anteile in Prozent; Angaben für 2024

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung

    Anteil an den Beschäftigten

    Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

    4,3

    9,8

    Bergbau

    0,3

    0,2

    Verarbeitendes Gewerbe

    10,4

    8,1

    Energieversorgung

    3,5

    0,6

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung sowie Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    0,9

    0,6

    Baugewerbe

    2,2

    3,8

    Dienstleistungen

    78,4

    76,9

    Quelle: Elstat 2026

    Athen steht im Mittelpunkt

    Das mit Abstand bedeutendste Wirtschaftszentrum Griechenlands ist die Region Attika. Auf sie entfällt rund die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes.

    Hier befinden sich die Hauptstadt Athen sowie mit Piräus der wichtigste Hafen Griechenlands. Im Jahr 2025 war Piräus der fünftgrößte Containerhafen Europas. Ein weiterer Hafenstandort soll im Raum Elefsina in der Region Attika entstehen. Investor ist der US-amerikanische Schiffbauer ONEX Shipyards & Technology.

    Neben Piräus spielt auch der Hafen Patras auf der Halbinsel Peloponnes eine wichtige Rolle. Er dient hauptsächlich als Drehscheibe für den Verkehr mit Italien.

    Weitere wirtschaftliche Schwerpunkte liegen in Thessaloniki in Zentralmakedonien und Ioannina in der Region Epirus. Beide Städte haben sich in den vergangenen Jahren zu bedeutenden IT-Standorten entwickelt.

    Für Investoren im verarbeitenden Gewerbe sind vor allem Zentralgriechenland und die Region Thessalien attraktiv. Besondere Bedeutung haben dort die Lebensmittelindustrie sowie die Verteidigungs- und Sicherheitswirtschaft.

    Die Region Westmakedonien trägt zwar lediglich knapp 2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, profitiert jedoch von Fördermitteln in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für den wirtschaftlichen Strukturwandel. Das frühere Braunkohlerevier soll sich zu einem modernen Investitionsstandort wandeln. Dazu gehört unter anderem das erste griechische Projekt zur Herstellung von grünem Wasserstoff, das bis 2027 in Betrieb gehen soll.

    Zu den wichtigsten Tourismusregionen des Landes zählen die Südägäis, die Ionischen Inseln, Kreta und Attika.

    Eckdaten der wichtigsten Regionen in Griechenland2023

    Gebiet

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in Euro)

    Bevölkerung (in Mio.) *)

    Attika

    48,8

    29.732

    3,8

    Zentralmakedonien

    13,9

    16.982

    1,8

    Thessalien

    5,2

    16.286

    0,7

    Zentralgriechenland (Sterea Ellada)

    5,1

    18.469

    0,5

    Kreta

    5,1

    18.345

    0,6

    Peloponnes

    4,5

    17.841

    0,5

    Westgriechenland

    4,3

    15.210

    0,6

    Ostmakedonien / Thrakien

    3,6

    13.840

    0,6

    Südägäis

    3,3

    21.610

    0,3

    Epirus

    2,0

    13.789

    0,3

    * Jahr 2025.Quelle: Elstat 2026; Eurostat 2026

    Von Michaela Balis | Athen

  • Griechenland bemüht sich um mehr Investitionen. Sowohl ausländische als auch heimische Investoren können dabei von umfangreichen Förderprogrammen profitieren.

    Griechische und ausländische Unternehmen bewerten den Reformkurs der griechischen Regierung überwiegend positiv, so die im Juli 2025 veröffentlichte EY Attractiveness Survey der Unternehmensberatung EY. Etwa 63 Prozent der 250 befragten Unternehmen erwarten, dass die Attraktivität Griechenlands als Investitionsstandort weiter steigt.

    Hohe Steuerlasten, ein komplexes Steuersystem und ein erhöhter Qualifizierungsbedarf zahlreicher Arbeitskräfte zählen zu den Schwächen des Standorts. Außerdem belasten steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen und die Sorge vor Rohstoffengpässen die Attraktivität des Landes, so EY.

    Auch die Bürokratie bleibt eine zentrale Herausforderung. Der Gouverneur der griechischen Zentralbank, Yannis Stournaras, bezeichnet sie nicht ohne Grund als "unsichtbare" Steuer.

    Deutschland bleibt zweitwichtigster Investor

    Mit einem Anteil von 13,5 Prozent am Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen in Griechenland war Deutschland 2024 nach Luxemburg der zweitwichtigste Investor. Es folgten die Niederlande, Zypern und die Schweiz.

    Rund 20 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen flossen in den Erwerb von Immobilien. Fast 13 Prozent entfielen auf das verarbeitende Gewerbe, insbesondere auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie.

    Investoren aus Drittländern erwerben Immobilien, um eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst fünf Jahre zu erhalten. Dafür muss der Immobilienwert bei mindestens 250.000 Euro liegen. In beliebten Orten, darunter Athen, liegt der Mindestwert bei 800.000 Euro.

    Deutsche Präsenz wächst

    Die deutschen Investitionen in Griechenland legten in den vergangenen Jahren stark zu. Zwischen 2020 und 2024 stiegen sie um rund ein Drittel.

    Nach Angaben der Deutschen Bundesbank waren 2024 insgesamt 179 deutsche Unternehmen in Griechenland tätig. Sie beschäftigten 40.000 Mitarbeitende und erzielten einen Gesamtumsatz von etwa 16,5 Milliarden Euro.

    Zu den großen deutschen Investoren zählen das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, die Deutsche Telekom, der Flughafenbetreiber Fraport sowie die Einzelhandelskette Lidl. Ebenfalls präsent sind die Versicherungskonzerne Allianz, ERGO und HDI Global sowie die Technologieunternehmen Siemens, Siemens Healthineers und Robert Bosch.

    Im Bereich erneuerbarer Energien sind unter anderem RWE, JUWI und BayWa aktiv. Zudem haben sich Unternehmen aus der IT- und Dienstleistungsbranche im Land niedergelassen. Dazu zählen der Callcenter-Betreiber Cho Time sowie Software- und Technologiefirmen wie TeamViewer, P&I Personal & Informatik und infoteam Software.

    Griechenland ist zudem ein attraktiver Standort für Unternehmen der Raumfahrt- und Verteidigungstechnologie. So bauen OHB, OroraTech und STARK Defence dort ihre Aktivitäten aus.

    Investitionsförderung: Neues Gesetz soll ausländische Direktinvestitionen stärker fördern

    Das griechische Parlament verabschiedete im Oktober 2026 ein neues Gesetz zur Förderung ausländischer Direktinvestitionen mit einem Investitionsvolumen zwischen 5 Millionen und 50 Millionen Euro, abhängig von der Branche. Unternehmen aus den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Forschung und Innovation, künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie Logistik und Reha-Kliniken sollen künftig von Steuererleichterungen, vereinfachten Genehmigungs- und Aufenthaltsgenehmigungsverfahren sowie von Krediten der griechischen Entwicklungsbank profitieren. 

    Die rechtliche Grundlage für Investitionen bildet das Gesetz über die Investitionsförderung. Im Fokus stehen Umweltschutz, Energieeffizienz und Digitalisierung.

    Zu den förderfähigen Ausgaben zählen unter anderem:

    • die Anschaffung von Maschinen
    • Bau und Erwerb von Immobilien
    • energieeffiziente Maßnahmen
    • Forschung
    • Know-how-Transfer.

    Investoren können je nach Förderkategorie und Unternehmensgröße von direkten Zuschüssen, Steuervergünstigungen sowie Zuschüssen zu Leasingkosten profitieren. Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln ist ein Unternehmenssitz in Griechenland oder eine dort ansässige Niederlassung. 

    Darüber hinaus unterstützt Griechenland strategische Investitionen. Grundsätzlich kommen dafür Investitionen von mehr als 10 Millionen Euro infrage. Ausgründungen und innovationsstarke Start-ups können bereits bei geringeren Investitionssummen als strategisch eingestuft werden. Für Energieprojekte liegt die Mindestschwelle bei 50 Millionen Euro.

    Strategische Investitionen profitieren von zusätzlichen Standortanreizen und beschleunigten Genehmigungsverfahren. Förderfähig sind unter anderem Projekte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Biotechnologie, der Raumfahrtindustrie und Robotik sowie Investitionen in die Produktion von grünem Wasserstoff.

    Unternehmen in Griechenland profitieren von EU-Fördermitteln

    Mit dem Auslaufen des EU-Aufbaufonds im Jahr 2026 rückt in Griechenland ein neues Nationales Investitionsprogramm in den Mittelpunkt der staatlichen Förderung. Bis 2030 sollen rund 23 Milliarden Euro in private und öffentliche Investitionsvorhaben fließen.

    Förderschwerpunkte sind Infrastruktur, Innovation, digitale Transformation sowie Umwelt- und Zivilschutz. Ergänzend kann Griechenland auf Mittel aus Finanzierungsinstrumenten der EU zurückgreifen. Aus dem Klima-Sozialfonds stehen rund 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Mittel sollen zusätzliche private Investitionen von etwa 1,2 Milliarden Euro mobilisieren.

    Weitere 1,6 Milliarden Euro stammen aus dem Modernisierungsfonds. Darüber hinaus kann das Land bis 2027 noch rund 19 Milliarden Euro aus dem EU-Partnerschaftsvertrag 2021 bis 2027 abrufen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Michaela Balis | Athen

  • BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade & InvestAnlaufstelle für für die deutsche Exportwirtschaft
    AHK GriechenlandAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Enterprise Greece Invest & TradeNationale Investitionsförderagentur
    ELSTATNationales Statistikamt
    Ministerium für EntwicklungZuständig u.a. für Unterstützung von KMU und Investitionsförderung
    AußenministeriumZuständig u.a. für die Außenwirtschaftsförderung