Griechenland bemüht sich um mehr Investitionen. Sowohl ausländische als auch heimische Investoren können dabei von umfangreichen Förderprogrammen profitieren.
Griechische und ausländische Unternehmen bewerten den Reformkurs der griechischen Regierung überwiegend positiv, so die im Juli 2025 veröffentlichte EY Attractiveness Survey der Unternehmensberatung EY. Etwa 63 Prozent der 250 befragten Unternehmen erwarten, dass die Attraktivität Griechenlands als Investitionsstandort weiter steigt.
Hohe Steuerlasten, ein komplexes Steuersystem und ein erhöhter Qualifizierungsbedarf zahlreicher Arbeitskräfte zählen zu den Schwächen des Standorts. Außerdem belasten steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen und die Sorge vor Rohstoffengpässen die Attraktivität des Landes, so EY.
Auch die Bürokratie bleibt eine zentrale Herausforderung. Der Gouverneur der griechischen Zentralbank, Yannis Stournaras, bezeichnet sie nicht ohne Grund als "unsichtbare" Steuer.
Deutschland bleibt zweitwichtigster Investor
Mit einem Anteil von 13,5 Prozent am Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen in Griechenland war Deutschland 2024 nach Luxemburg der zweitwichtigste Investor. Es folgten die Niederlande, Zypern und die Schweiz.
Rund 20 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen flossen in den Erwerb von Immobilien. Fast 13 Prozent entfielen auf das verarbeitende Gewerbe, insbesondere auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
Investoren aus Drittländern erwerben Immobilien, um eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst fünf Jahre zu erhalten. Dafür muss der Immobilienwert bei mindestens 250.000 Euro liegen. In beliebten Orten, darunter Athen, liegt der Mindestwert bei 800.000 Euro.
Deutsche Präsenz wächst
Die deutschen Investitionen in Griechenland legten in den vergangenen Jahren stark zu. Zwischen 2020 und 2024 stiegen sie um rund ein Drittel.
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank waren 2024 insgesamt 179 deutsche Unternehmen in Griechenland tätig. Sie beschäftigten 40.000 Mitarbeitende und erzielten einen Gesamtumsatz von etwa 16,5 Milliarden Euro.
Zu den großen deutschen Investoren zählen das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, die Deutsche Telekom, der Flughafenbetreiber Fraport sowie die Einzelhandelskette Lidl. Ebenfalls präsent sind die Versicherungskonzerne Allianz, ERGO und HDI Global sowie die Technologieunternehmen Siemens, Siemens Healthineers und Robert Bosch.
Im Bereich erneuerbarer Energien sind unter anderem RWE, JUWI und BayWa aktiv. Zudem haben sich Unternehmen aus der IT- und Dienstleistungsbranche im Land niedergelassen. Dazu zählen der Callcenter-Betreiber Cho Time sowie Software- und Technologiefirmen wie TeamViewer, P&I Personal & Informatik und infoteam Software.
Griechenland ist zudem ein attraktiver Standort für Unternehmen der Raumfahrt- und Verteidigungstechnologie. So bauen OHB, OroraTech und STARK Defence dort ihre Aktivitäten aus.
Investitionsförderung: Neues Gesetz soll ausländische Direktinvestitionen stärker fördern
Das griechische Parlament verabschiedete im Oktober 2026 ein neues Gesetz zur Förderung ausländischer Direktinvestitionen mit einem Investitionsvolumen zwischen 5 Millionen und 50 Millionen Euro, abhängig von der Branche. Unternehmen aus den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Forschung und Innovation, künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie Logistik und Reha-Kliniken sollen künftig von Steuererleichterungen, vereinfachten Genehmigungs- und Aufenthaltsgenehmigungsverfahren sowie von Krediten der griechischen Entwicklungsbank profitieren.
Die rechtliche Grundlage für Investitionen bildet das Gesetz über die Investitionsförderung. Im Fokus stehen Umweltschutz, Energieeffizienz und Digitalisierung.
Zu den förderfähigen Ausgaben zählen unter anderem:
- die Anschaffung von Maschinen
- Bau und Erwerb von Immobilien
- energieeffiziente Maßnahmen
- Forschung
- Know-how-Transfer.
Investoren können je nach Förderkategorie und Unternehmensgröße von direkten Zuschüssen, Steuervergünstigungen sowie Zuschüssen zu Leasingkosten profitieren. Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln ist ein Unternehmenssitz in Griechenland oder eine dort ansässige Niederlassung.
Darüber hinaus unterstützt Griechenland strategische Investitionen. Grundsätzlich kommen dafür Investitionen von mehr als 10 Millionen Euro infrage. Ausgründungen und innovationsstarke Start-ups können bereits bei geringeren Investitionssummen als strategisch eingestuft werden. Für Energieprojekte liegt die Mindestschwelle bei 50 Millionen Euro.
Strategische Investitionen profitieren von zusätzlichen Standortanreizen und beschleunigten Genehmigungsverfahren. Förderfähig sind unter anderem Projekte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Biotechnologie, der Raumfahrtindustrie und Robotik sowie Investitionen in die Produktion von grünem Wasserstoff.
Unternehmen in Griechenland profitieren von EU-Fördermitteln
Mit dem Auslaufen des EU-Aufbaufonds im Jahr 2026 rückt in Griechenland ein neues Nationales Investitionsprogramm in den Mittelpunkt der staatlichen Förderung. Bis 2030 sollen rund 23 Milliarden Euro in private und öffentliche Investitionsvorhaben fließen.
Förderschwerpunkte sind Infrastruktur, Innovation, digitale Transformation sowie Umwelt- und Zivilschutz. Ergänzend kann Griechenland auf Mittel aus Finanzierungsinstrumenten der EU zurückgreifen. Aus dem Klima-Sozialfonds stehen rund 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Mittel sollen zusätzliche private Investitionen von etwa 1,2 Milliarden Euro mobilisieren.
Weitere 1,6 Milliarden Euro stammen aus dem Modernisierungsfonds. Darüber hinaus kann das Land bis 2027 noch rund 19 Milliarden Euro aus dem EU-Partnerschaftsvertrag 2021 bis 2027 abrufen.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von Michaela Balis
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Athen