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Tel Avivs Metrobau eröffnet Chancen für deutsche Zulieferer
Die Teilnehmer der Hauptausschreibung für einen großen Teil des geplanten Metronetzes von Tel Aviv stehen fest. Deutsche Anbieter können sich als Zulieferer positionieren.
22.10.2026
Die für Planung und Bau der Metro in Tel Aviv zuständige staatliche Gesellschaft NTA (Metropolitan Mass Transit System) hat das Präqualifikationsverfahren für den Tunnelbau (Infra 1) abgeschlossen. Diese Bauphase umfasst rund die Hälfte des geplanten Metronetzes. Vorgesehen sind 75 Kilometer Doppeltunnelstrecken und 59 unterirdische Stationen. Die Kosten werden auf 20 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt. Deutsche Anbieter können sich jetzt bei den Bewerbergruppen als potenzielle Zulieferer positionieren.
Zugelassene Konsortien und Unternehmen aus dem In- und Ausland
Im Oktober 2026 gab NTA die Unternehmen und Konsortien bekannt, die sich an der Hauptausschreibung beteiligen dürfen. Insgesamt wurden 19 Bewerbergruppen mit 31 Unternehmen zugelassen. Unter den ausländischen Unternehmen sind chinesische und indische Anbieter besonders stark vertreten.
| Bieter | Unternehmen | Herkunftsland |
| 1 | China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) China Railway 16th Bureau Group (CRCC16) | China China |
| 2 | Shapir Engineering and Industry | Israel |
| 3 | Shikun & Binui Solel Boneh Lane Construction | Israel USA |
| 4 | China State Construction Engineering Corporation (CSCEC) | China |
| 5 | Minrav Group Afcons Infrastructure | Israel Indien |
| 6 | Danya Cebus China Harbour Engineering Company (CHEC) | Israel China |
| 7 | Tidhar Group Rimon Group | Israel Israel |
| 8 | Oron Group Hindustan Construction Company (HCC) | Israel Indien |
| 9 | China Railway Tunnel Group (CRTG) | China |
| 10 | AKTOR Group | Griechenland |
| 11 | J. Kumar Infraprojects | Indien |
| 12 | Rail Vikas Nigam Limited (RVNL) CEMINDIA Projects | Indien Indien |
| 13 | Impresa Pizzarotti | Italien |
| 14 | Elyakim Ben-Ari Kalpataru Projects International Soma Enterprise | Israel Indien Indien |
| 15 | Kal Binyan Megha Engineering & Infrastructures | Israel Indien |
| 16 | Ashtrom Group Delhi Metro Rail Corporation (DMRC) | Israel Indien |
| 17 | Power Construction Corporation of China (PCCC)* | China |
| 18 | Electra Group NGE | Israel Frankreich |
| 19 | Tutor Perini Corporation | USA |
Bei den israelischen Bewerbern handelt es sich überwiegend um große Bau- und Infrastrukturunternehmen. Zahlreiche von ihnen haben bereits Tunnelbauprojekte durchgeführt. Auch die ausländischen Bewerber verfügen über umfangreiche Erfahrung mit komplexen Infrastruktur- und Metroprojekten.
Neun der 19 Bewerbungen stammen ausschließlich von ausländischen Unternehmen. Das ist insofern bemerkenswert, als bei großen israelischen Infrastrukturprojekten Kooperationen mit einheimischen Unternehmen verbreitet sind. Für die Präqualifikation von Infra 1 waren israelische Konsortialpartner jedoch nicht vorgeschrieben. Erfolgreiche ausländische Bieter ohne ausreichende Projekterfahrung in Israel werden dennoch lokale Expertise benötigen. Sie sollen verpflichtet werden, entsprechend qualifizierte und in Israel zugelassene Subunternehmen mit lokaler Erfahrung einzubinden.
Wichtig zu wissen
Das Metronetz im Großraum Tel Aviv gilt als das größte Infrastrukturprojekt Israels. Geplant sind rund 150 Kilometer Tunnelstrecke und 109 Stationen. Der Gesamtwert wird auf rund 45 Milliarden US$ beziffert. Das System soll zwischen 2037 bis 2042 stufenweise in Betrieb gehen und nach vollständiger Fertigstellung jährlich rund 800 Millionen Fahrgastbewegungen bewältigen.
Deutsche Zulieferer können sich jetzt positionieren
Mit der Bekanntgabe der zugelassenen Bewerber können sich ausländische Zulieferer, darunter deutsche Unternehmen, gezielter auf das Projekt vorbereiten. Sie können die technischen und rechtlichen Anforderungen für eine Beteiligung klären und sich um die Aufnahme in Lieferantenlisten bemühen.
Die Tunnelbauarbeiten sollen auf elf Einzelaufträge verteilt werden. Im Rahmen ihres Risikomanagements prüft NTA zudem, wie viele Aufträge eine einzelne Bewerbergruppe höchstens erhalten darf.
Die AHK Israel berät deutsche Unternehmen und vermittelt auf Wunsch Kontakte zu israelischen Fachleuten.
Auch ausländische Unternehmen wirken an der Planung der Metro mit. Spezialisierte israelische Ingenieur- und Planungsbüros können Zulieferer zu technischen Normen sowie zu Bau- und Genehmigungsverfahren beraten. Israelische Wirtschaftskanzleien unterstützen beispielsweise bei der Vertragsgestaltung und beim Schutz geistigen Eigentums.
Ein großer Teil der für den Bau benötigten Maschinen und Ausrüstungen muss importiert werden, da Israel in vielen relevanten Bereichen über keine eigene Produktion verfügt.
Lieferchancen für deutsche Unternehmen bestehen unter anderem bei:
- Tunnelbautechnik einschließlich Bohr- und Verschleißwerkzeugen,
- Antriebs- und Hydrauliktechnik,
- Pumpen und Dichtungssystemen,
- Schmier- und Zusatzstoffen für den Tunnelvortrieb,
- Mess-, Steuerungs- und Überwachungstechnik,
- Systemen zur Baugrund- und Gebäudesicherung,
- Schalungs-, Bewehrungs- und Abdichtungssystemen sowie
- Maschinen und Ausrüstungen für den Spezialtiefbau.
Baustellenlogistik stellt hohe Anforderungen
Der Bau der Metro erfordert außerdem umfangreiche Lösungen für die Baustellenlogistik. Benötigt werden insbesondere:
- Förderanlagen zum Abtransport des Aushubs,
- schwere Lkw und Spezialfahrzeuge für den Baustellentransport,
- Hebezeuge und Krane sowie
- Transport- und Handhabungssysteme für Baumaterialien und Tunnelbauteile.
Nach Angaben von NTA-Generaldirektor Itamar Ben-Meir müssen rund 40 Millionen Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden. Für den Tunnelvortrieb sollen etwa 20 Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz kommen. NTA rechnet mit rund 2.500 Lkw-Fahrten pro Tag, um den Aushub abzutransportieren.
Für den Bau der 59 unterirdischen Metrostationen werden zudem umfangreiche Maschinen und Ausrüstungen für den Spezialtiefbau benötigt.
Vorausschreibung für Bahntechnik (Infra 2)
Eine weitere Aufgabe ist die Unterbringung ausländischer Arbeitskräfte. Nach Schätzungen von NTA werden auf dem Höhepunkt der Bauarbeiten rund 14.000 Beschäftigte aus dem Ausland benötigt. Für sie müssen Unterkünfte gebaut und an die Infrastruktur angeschlossen werden. Daraus ergeben sich zusätzliche Liefermöglichkeiten bei modularen Gebäudesystemen, Versorgungsanlagen sowie Wasser-, Abwasser- und Gebäudetechnik.
Mehrere deutsche Unternehmen sind oder waren bereits im israelischen Schienenverkehr tätig, darunter DB Engineering & Consulting, DB Bahnbaugruppe und Siemens Mobility. Herrenknecht lieferte Tunnelbohrmaschinen für die im Bau befindliche Stadtbahn in Tel Aviv. Mittelständische Zulieferunternehmen sind in der Regel nicht öffentlich sichtbar.
Parallel laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung der Bahntechnik (Infra 2). Im August 2026 veröffentlichte NTA dazu eine Vorausschreibung.
Wichtige Anlaufstellen
Projektgesellschaft NTA
Als zuständige Gesellschaft stellt NTA offizielle Informationen und Dokumente bereit und organisiert die Ausschreibungen.
Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer
Die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer (AHK) vermittelt Einstiegswissen und lokale Kontakte. Durch ihr Netzwerk in Israel hilft sie deutschen Unternehmen, relevante Ansprechpartner beim Projekt zu identifizieren.
Einen Überblick über weitere Infrastrukturprojekte in Israel sowie Hinweise zum Markteintritt bietet der GTAI-Bericht zum Infrastruktursektor in Israel.