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Frankreich: Neue Chancen für gemeinsame Projekte

Frankreich gehört neben Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Italien zu Europas Systemführern. Im Land sind Unternehmen entlang der gesamten militärischen Wertschöpfungskette tätig. Auch deutsche Firmen sind auf dem französischen Rüstungsmarkt aktiv.  

Frauke Schmitz-Bauerdick

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris

Das Scheitern des Flugzeugprojektes Future Combat Air System (FCAS) hatte im Juni 2026 dunkle Schatten auf die deutsch-französische Rüstungskooperation geworfen. Außerhalb dieses Vorhabens läuft die deutsch-französische Rüstungszusammenarbeit jedoch gut. Deutsche Unternehmen sind bereits seit vielen Jahren Partner französischer Rüstungsgrößen: Renk Frankreich, eine Tochtergesellschaft der deutschen Renk Group, ist Zulieferer von Antriebssystemen, unter anderem für den Leclerc-Panzer von KNDS France. Hensoldt France liefert technologische Lösungen für den französischen Kampfflieger Rafale von Dassault. Und Safran Electronic & Defense kooperiert seit 2025 mit Rheinmetall Electronics im Bereich Verteidigungstechnologien.  

„Auf den französischen Verteidigungsmarkt zu kommen, ist für deutsche Unternehmen zwar schwierig, war aber noch nie so einfach wie heute“, beobachtet Francois Savy, Kapitän zur See a.D. und heute Geschäftsführer der bretonischen Militärberatungsfirma NDPS. „Vor allem für Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, die es in Frankreich noch nicht gibt, ist der Markteinstieg machbar. Chancen bestehen auch, wenn ein deutlicher Wettbewerbsvorteil existiert. Der Einstieg kann über eine Zusammenarbeit mit den Großen der Branche gelingen, vielversprechender ist er aber über Partnerschaften mit kleineren französischen Anbietern.“ 

Automobilzulieferer gehen in die Verteidigungsproduktion   

Vor allem in der Drohnenproduktion ergeben sich neue Geschäftsmöglichkeiten: Das deutsche Drohnen- und KI-Scale-up Helsing und der französische Sprengstoffhersteller EURENCO haben im Juni 2026 bekannt gegeben, zusammen Gefechtsköpfe für Angriffsdrohnen zu entwickeln.  

Und auch für branchenfremde Unternehmen öffnen sich Einfallstore in den Rüstungsmarkt Frankreich: So hat der deutsche Automobilzulieferer Schäffler im Juni 2026 angekündigt, zusammen mit dem jungen französischen Drohnenunternehmen Delair in die Produktion von Drohnen einzusteigen. Ab November 2026 will Schäffler täglich bis zu 100 Einheiten des Drohnentyps Damoclès und der Abfangdrohne Aspik fertigen.  Der deutsch-französische Automobilzulieferer Forvia hatte im Juli 2026 bekannt gegeben, in die Drohnenproduktion einzusteigen.  

Blick in die Produktion der Renk Group: Hier entstehen unter anderem Getriebesysteme für den Kampfpanzer Leopard 2. Blick in die Produktion der Renk Group: Hier entstehen unter anderem Getriebesysteme für den Kampfpanzer Leopard 2. | © picture alliance/dpa/Stefan Puchner

Deutschland muss sich Frankreichs Vertrauen erarbeiten   

Aber nicht überall gibt es Begeisterung für deutsches Rüstungsengagement. Gerade konservative Kreise im französischen Militär und in der Politik beobachten die deutsche Aufrüstung, aber auch deutsch-französische Kooperationen mit Misstrauen. Unter anderem die Tatsache, dass Deutschland im Gegensatz zum hochverschuldeten Frankreich genügend Geld hat, um neue Militärkapazitäten aufzubauen, kommt nicht immer gut an in Frankreich. Das habe viel mit dem französischen Selbstverständnis zu tun, sagen Beobachter. Denn gerade in den Bereichen Rüstung und Verteidigung sieht sich Frankreich traditionell in einer europäischen Führungsrolle. 

Die deutsche Regierung kennt Frankreichs Sorge vor einer möglichen Verschiebung des militärischen Gleichgewichts. Daher betont die Bundesregierung, wann immer es möglich ist, dass sie die deutsche Aufrüstung im europäischen und deutsch-französischen Rahmen sowie in den Diensten der EU und der Nato sieht. „Wir machen Europa stärker – und damit auch Deutschland. Und wenn wir Deutschland stärker machen, machen wir Europa stärker – politisch und wirtschaftlich“, so Bundeskanzler Friedrich Merz im Juli 2026 auf dem Paderborner Liborimahl.  

Für deutsche Unternehmen eröffnet sich damit ein Markt, der zwar politisches Fingerspitzengefühl verlangt, zugleich aber erhebliche Wachstumschancen bietet. Zahlreiche Kooperationen abseits des gescheiterten Flugzeugprojekts FCAS auf Unternehmensebene zeigen, dass aus gemeinsamen Interessen auch künftig erfolgreiche Projekte entstehen können. 

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